
Staatsanleihen locken mit 3,5 Prozent: Lohnt sich der Einstieg?
Staatsanleihen locken mit rund 3,5 Prozent Rendite, der höchste Wert seit 15 Jahren. Wir zeigen, warum der Einstieg trotzdem riskant sein kann und welche.
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Die Deutsche Bank hält die Markterwartungen an die kommenden Zinsschritte für zu zaghaft. In einer aktuellen Analyse schreibt Makrostratege Henry Allen, es gebe „stichhaltige Gründe dafür, dass Anleger das Ausmaß der noch bevorstehenden Schritte unterschätzen könnten“. Das ist eine klare Warnung an alle, die auf schnell wieder sinkende Zinsen setzen.
Im Kern stützt sich Allen auf zwei Bausteine: den jüngsten Energiepreisschub und die Lehren aus früheren Zinszyklen. Beide sprechen dafür, dass Fed und EZB die Zinsen noch stärker anheben könnten, als es die Kurse an den Finanzmärkten derzeit widerspiegeln.
Gleichzeitig betont die Deutsche Bank aber: Eine Wiederholung des Jahres 2022 ist nicht ausgemacht. Wie hart der Straffungszyklus am Ende wirklich ausfällt, hängt auch davon ab, wie sich Konjunktur und Kerninflation entwickeln.
Die Europäische Zentralbank unter Präsidentin Christine Lagarde erhöhte am 10. September ihren Leitzins um 25 Basispunkte. Der Einlagenzins liegt damit bei 2,50 Prozent. Als Begründung nannte die EZB den anhaltenden Inflationsdruck infolge des Konflikts im Nahen Osten.
Für 2027 erwartet die EZB inzwischen eine durchschnittliche Inflation von 2,5 Prozent. Das liegt weiterhin klar oberhalb ihres Zwei-Prozent-Ziels und gibt der Notenbank Spielraum für weitere Schritte nach oben.
Die US-Notenbank Fed zog gut eine Woche später nach. Am 16. September erhöhte sie ihre Zielspanne für den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Es war die erste Zinserhöhung seit 2023. Die Fed begründete den Schritt ausdrücklich mit der weiterhin erhöhten Inflation.
Die Deutsche Bank hat 14 frühere Fed-Zinserhöhungszyklen seit Mitte der 1950er-Jahre ausgewertet. Im Durchschnitt dauerten sie etwa 22 Monate und summierten sich auf 478 Basispunkte. 100 Basispunkte entsprechen einem Prozentpunkt.
Zum Vergleich: Die Marktteilnehmer rechnen derzeit nur mit rund 95 Basispunkten für das kommende Jahr. Das wäre im historischen Vergleich ungewöhnlich wenig. Genau diese Lücke zwischen Markterwartung und historischer Erfahrung ist der Kern von Allens Warnung.
Auch der Blick auf das Jahr 2022 stützt die These. Damals begann die Fed mit einem kleinen Schritt von 25 Basispunkten. Später erhöhte sie mehrfach um jeweils 75 Basispunkte. Innerhalb weniger Monate wurde aus einer vorsichtigen Zinswende eine massive Straffung. Wer damals zu früh auf ein Ende setzte, lag komplett falsch.
Ein weiterer Grund für die Warnung ist der jüngste Anstieg der Rohstoffpreise. Allen verweist darauf, dass dieser Effekt die Inflation weiter nach oben treiben könne, obwohl er sich bislang noch nicht vollständig in den Daten und Umfragen zeige.
Das lässt sich mit einem einfachen Mechanismus erklären: Wird Öl teurer, steigt nicht nur die Rechnung an der Tankstelle. Transporte verteuern sich, Fluggesellschaften und Logistiker zahlen mehr, Chemieunternehmen haben höhere Produktionskosten. Ein Teil dieser Mehrkosten landet mit Verzögerung bei den Kunden.
Genau diese Zeitverzögerung macht Prognosen so schwierig. Die Notenbanken müssen auf Basis unvollständiger Daten entscheiden, ob sie schon nachlegen oder noch abwarten. In der aktuellen Lage spricht aus Sicht der Deutschen Bank mehr dafür, früher nachzulegen.
Fed und EZB mussten sich 2021 und 2022 vorwerfen lassen, die Inflation zu lange unterschätzt zu haben. Damals galten steigende Preise als vorübergehendes Phänomen. Bis die Notenbanken reagierten, hatte sich der Preisauftrieb bereits in Löhnen, Mieten und Erwartungen festgesetzt.
Diese Erfahrung sitzt tief. Die Banken könnten heute eher Gefahr laufen, auf der anderen Seite vorsichtiger zu sein und stärker zu bremsen. Wer einmal zu spät war, will lieber einmal zu viel erhöhen als ein zweites Mal zu wenig.
Genau diesen Reflex adressiert die Deutsche Bank mit ihrer Warnung. Wenn die Notenbanken überreagieren, schmerzt das Konjunktur und Börsen. Wenn sie unterreagieren, droht ein erneuter Inflationsschub. In einer solchen Lage tendieren Gremien erfahrungsgemäß zur härteren Variante.
Anders als 2022 kommt heute ein politischer Faktor hinzu: US-Präsident Donald Trump drängt öffentlich auf deutlich niedrigere Zinsen. Mit Kevin Warsh hat er einen von ihm selbst ausgewählten Fed-Chef im Amt.
Bei der jüngsten Entscheidung setzte sich die Fed allerdings über Trumps Wunsch nach niedrigeren Zinsen hinweg. Trump verlangte anschließend erneut Zinsen von höchstens einem Prozent. Warsh verteidigte den Schritt mit der weiterhin hohen Inflation und schloss weitere Erhöhungen nicht aus.
Wie weit politischer Druck die Geldpolitik tatsächlich beeinflusst, lässt sich bislang kaum beurteilen. Klar ist aber: Selbst ein US-Präsident, der die Fed unter Druck setzt, besitzt keine Macht gegenüber EZB, Bank of Japan oder anderen unabhängigen Zentralbanken. Der globale Straffungszyklus hängt deshalb nicht allein am Kurs des Weißen Hauses.
Höhere Zinsen wirken nicht nur an den Finanzmärkten. Sie schlagen direkt auf Kredite, Baufinanzierungen und Unternehmensinvestitionen durch. Wer jetzt eine variable Finanzierung hat oder demnächst eine Anschlussfinanzierung braucht, sollte sich auf steigende Raten einstellen.
Auf der anderen Seite profitieren Sparer zumindest vorübergehend von höheren Tagesgeld- und Festgeldzinsen. Solange die Notenbanken die Zinsen weiter anheben, bleibt dieser Vorsprung gegenüber den Niedrigzinsjahren bestehen. Wann die Wende kommt, ist allerdings offen.
Für Anleger an den Aktienmärkten bleibt die Lage gespalten. Einerseits geben eine robuste Wirtschaft und stabile Börsen den Zentralbanken Spielraum für weitere Zinserhöhungen. Andererseits brechen Konjunktur und Nachfrage stärker ein, sobald die Zinslast zu groß wird. Genau dieses Spannungsfeld macht Prognosen so schwer.

Dass sich Geschichte wie 2022 wiederholt, ist keineswegs sicher. Die Nachrichtenagentur Reuters verweist darauf, dass einige Ökonomen die heutigen Zinserwartungen bereits für sehr ambitioniert halten. Bestimmte Konstellationen könnten die Notenbanken früher stoppen lassen.
Genau darin liegt derzeit das Dilemma. Eine robuste Wirtschaft gibt den Zentralbanken Spielraum für weitere Zinserhöhungen. Brechen Konjunktur und Nachfrage dagegen stärker ein, sinkt dieser Spielraum. Welche der beiden Kräfte gewinnt, werden die kommenden Quartale zeigen.
Die Deutsche Bank liefert mit ihrer Warnung keine klare Empfehlung, sondern eine Risikoabschätzung. Trotzdem lässt sich einordnen, welche Argumente für und gegen eine harte Straffung sprechen. Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Punkte zusammen, ohne eigene Zahlen zu erfinden.
| Pro harter Straffung | Contra harter Straffung |
|---|---|
| Historische Zinszyklen fielen meist länger und stärker aus als zunächst erwartet. | Einige Ökonomen halten die heutigen Zinserwartungen bereits für ambitioniert. |
| Teure Rohstoffe treiben die Inflation mit Verzögerung weiter an. | Steigende Energiepreise können Konjunktur und Nachfrage von selbst schwächen. |
| Notenbanken wollen den Fehler von 2021 und 2022 nicht wiederholen. | Politischer Druck könnte die Fed zu einem früheren Stopp bewegen. |
| Stabile Börsen und robuste Wirtschaft geben Spielraum für höhere Zinsen. | Ein zu starker Bremsweg birgt das Risiko einer Rezession. |
Die Einschätzung der Deutschen Bank steht nicht allein. Auch andere große Häuser haben in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, dass die Zinserhöhungen weitergehen könnten. In Kombination mit den Statements von Fed und EZB entsteht das Bild einer globalen Straffung, die noch nicht am Ende ist.
Dabei geht es nicht darum, Panik zu verbreiten. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ist überschaubar. Das Problem ist die Summe. Wenn die EZB mehrfach nachlegt und die Fed ebenfalls, addieren sich die Schritte schnell zu einem deutlich höheren Niveau als heute.
Wer jetzt plant, Kredite aufzunehmen, Anschlussfinanzierungen vorzubereiten oder größere Investitionen zu stemmen, sollte diese Dynamik einkalkulieren. Die Zeit extrem günstigen Geldes bleibt vorerst vorbei, auch wenn einzelne Ökonomen schon wieder über das Ende der Straffung spekulieren.
Die Warnung der Deutschen Bank lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Der Markt unterschätzt das Ausmaß der bevorstehenden Straffung. Sowohl die historischen Daten früherer Fed-Zyklen als auch der aktuelle Energiepreisschub sprechen dafür, dass Fed und EZB die Zinsen noch stärker anheben könnten als erwartet.
Gleichzeitig ist das Szenario nicht in Stein gemeißelt. Eine stabile Kerninflation, ein schwächerer Konsum oder politischer Druck könnten den Zyklus verkürzen. Genau diese Unsicherheit macht die kommenden Quartale so entscheidend für Sparer, Kreditnehmer und Anleger gleichermaßen.
Kurz gesagt: Wer heute plant, sollte nicht auf ein schnelles Ende der Zinserhöhungen setzen, sondern Szenarien für eine längere Straffung durchspielen. Das gilt für die Baufinanzierung ebenso wie für die eigene Geldanlage und die Risikobewertung an den Aktienmärkten.
Makrostratege Henry Allen sieht „stichhaltige Gründe dafür, dass Anleger das Ausmaß der noch bevorstehenden Schritte unterschätzen könnten". Fed und EZB könnten die Zinsen also noch stärker anheben als vom Markt erwartet.
Die EZB erhöhte am 10. September den Leitzins um 25 Basispunkte, der Einlagenzins liegt nun bei 2,50 Prozent. Die Fed zog am 16. September nach und hob ihre Zielspanne um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent.
Höhere Öl- und Rohstoffpreise schlagen zeitversetzt auf Transport, Produktion und Verbraucherpreise durch. Dieser Effekt ist laut Deutscher Bank in den aktuellen Daten noch gar nicht vollständig sichtbar.
Die Deutsche Bank hat 14 frühere Fed-Zinserhöhungszyklen seit Mitte der 1950er-Jahre ausgewertet. Im Durchschnitt dauerten sie etwa 22 Monate und summierten sich auf 478 Basispunkte, deutlich mehr als die heute am Markt eingepreisten rund 95 Basispunkte.
Bislang nicht. Bei der jüngsten Entscheidung setzte sich die Fed über Trumps Wunsch nach niedrigeren Zinsen hinweg. Zudem hat der US-Präsident keinen direkten Einfluss auf unabhängige Notenbanken wie die EZB oder die Bank of Japan.
Prüfdatum: 24. September 2026
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