
Zinsen, Öl, Inflation: Diese 3 Aktien sind defensiver aufgestellt
Öl bei fast 100 Dollar, hohe Zinsen, steigende Kosten: Welche 3 Aktien sind jetzt defensiver aufgestellt? Coca-Cola, Procter & Gamble und Mastercard im Check.
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Rheinmetall hat in wenigen Jahren eine der spektakulärsten Kursgeschichten des deutschen Aktienmarkts geschrieben — und steht jetzt genau da, wo es wehtut: mitten im Gegenwind. Wer die Aktie 2022 für unter 100 Euro gekauft hat, sitzt auf satten Gewinnen. Wer erst 2024 oder Anfang 2025 auf dem Höhepunkt der Euphorie eingestiegen ist, fragt sich aktuell: Wie tief kann Rheinmetall noch fallen?
Diese Frage ist keine abstrakte Spielerei. Sie ist für Tausende Privatanleger in Deutschland brandaktuell — viele haben die Aktie über Trade Republic, Scalable Capital oder comdirect ins Depot gelegt, angelockt von Wachstumsfantasien rund um Rüstung und europäische Verteidigung. Und sie verdient eine ehrliche Antwort, keine Schönfärberei.
Die Zahlen sprechen für sich. Rheinmetall startete 2022 bei rund 90 Euro. Dann kam der russische Angriff auf die Ukraine — und die Aktie explodierte. Bis Anfang 2025 kletterte der Kurs auf über 700 Euro, zeitweise sogar darüber. Eine Rally, die selbst hartgesottene Börsianer sprachlos gemacht hat.
Doch dann rutscht die Aktie. Nicht dramatisch über Nacht, aber kontinuierlich und mit unangenehmer Konsequenz. Geopolitische Nachrichten, Friedenssignale aus dem Ukraine-Konflikt, Gewinnmitnahmen — all das drückt auf den Kurs. Wer aktuell auf sein Depot schaut, sieht teils Verluste von 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Hoch.
Ehrlich gesagt: Das ist bei einem solchen Höhenflug nicht überraschend. Aktien, die sich innerhalb von drei Jahren versiebenfachen, korrigieren irgendwann. Die eigentliche Frage ist nicht ob, sondern wie weit unten die Reise noch geht.
Wer verstehen will, wie tief Rheinmetall noch fallen kann, sollte sich die eigene Kurshistorie ansehen. Die ist aufschlussreicher als jede Analystenprognose.
Nach dem ersten großen Anstieg 2022 gab es bereits eine Korrektur von rund 35 Prozent — bevor die nächste Welle der Rüstungseuphorie die Aktie wieder nach oben trieb. Korrekturen von 40 bis 50 Prozent gegenüber dem Allzeithoch sind im langfristigen Chartbild von Rheinmetall keine Ausnahme, sondern Normalzustand.
Historische Anhaltspunkte: Bei der Finanzkrise 2008 verlor Rheinmetall über 60 Prozent. In der COVID-Krise 2020 ging es innerhalb von Wochen um fast 50 Prozent nach unten. Das sind extreme Szenarien — aber sie zeigen die Bandbreite dessen, was möglich ist.
Aktuell liegt das Allzeithoch bei etwa 740 Euro. Eine Korrektur von 40 Prozent würde den Kurs auf rund 444 Euro bringen. Eine Korrektur von 50 Prozent auf knapp 370 Euro. Diese Zahlen klingen hart — sind aber technisch absolut im Rahmen dessen, was die eigene Historie als möglich ausweist.

Technische Analyse ist keine Wahrsagerei. Aber Unterstützungszonen entstehen dort, wo viele Anleger eingestiegen sind und wo die Aktie in der Vergangenheit Halt gefunden hat. Das gibt echte Anhaltspunkte.
Die erste relevante Unterstützungszone liegt bei rund 400 Euro. Hier hat Rheinmetall 2024 mehrfach konsolidiert, hier haben viele institutionelle Anleger ihre Einstiegspositionen aufgebaut. Ein Test dieser Zone wäre schmerzhaft, aber charttechnisch logisch.
Tiefer, bei etwa 320 Euro, liegt die nächste starke Unterstützung. Das war das Niveau, auf dem die Aktie nach ihrer ersten großen Rally im Jahr 2022 konsolidierte. Sollte die 400-Euro-Marke nicht halten — aus welchem Grund auch immer — rutscht der Kurs schnell auf dieses Niveau durch.
Noch tiefer, im Bereich 200 bis 250 Euro, läge der langfristige Trendkanal, der den gesamten Aufstieg seit 2022 trägt. Dieses Szenario erfordert allerdings eine fundamental andere Weltlage — etwa ein dauerhaftes Ende des Ukraine-Konflikts kombiniert mit massiven Budgetkürzungen in Europa.
Wie steht Rheinmetall im Vergleich zu seinen Wettbewerbern da? Das ist entscheidend, um zu beurteilen, ob die Aktie bei einem weiteren Rücksetzer günstig wird — oder immer noch teuer bleibt.
| Unternehmen | Kurs (ca. 2025) | KGV 2025e | Kurs-Buchwert | Dividendenrendite |
|---|---|---|---|---|
| Rheinmetall | ~520 € | ~32x | ~8,5x | ~0,8 % |
| BAE Systems | ~13,50 GBP | ~18x | ~4,2x | ~2,3 % |
| Leonardo (IT) | ~32 € | ~14x | ~2,8x | ~1,5 % |
| Thales (FR) | ~165 € | ~20x | ~3,5x | ~1,4 % |
| Lockheed Martin | ~450 USD | ~16x | ~- | ~2,8 % |
Das Bild ist eindeutig. Rheinmetall ist gegenüber seinen Wettbewerbern deutlich höher bewertet — sowohl beim KGV als auch beim Kurs-Buchwert-Verhältnis. Ein KGV von 32 ist für ein Rüstungsunternehmen, das zyklischen Risiken ausgesetzt ist, ambitioniert. BAE Systems, ein mindestens gleichwertiger Wettbewerber mit ähnlichem Wachstumsprofil, wird mit einem KGV von 18 gehandelt.
Das rechtfertigt nicht automatisch einen Kursabsturz. Rheinmetall hat ein stärkeres Wachstum in Europa, profitiert direkt vom deutschen Sondervermögen und hat die überzeugendere Wachstumsstory im europäischen Verteidigungssektor. Aber die Bewertungsprämie bedeutet: Wenn die Wachstumserwartungen nur leicht enttäuscht werden, gibt es erheblichen Spielraum nach unten.
Kursschwankungen brauchen immer einen Katalysator. Für Rheinmetall gibt es aktuell mehrere realistische Szenarien, die den Kurs weiter fallen lassen könnten.
Szenario 1: Waffenstillstand im Ukraine-Krieg. Das ist das Szenario, das Rüstungsaktien am stärksten fürchten. Ein echter Friedensprozess würde die politische Dringlichkeit europäischer Rüstungsinvestitionen schmälern. Nicht sofort, nicht vollständig — aber die Fantasie rund um explodierende Rüstungsbudgets würde schnell verpuffen. Der Kurs könnte dabei schnell und tief fallen.
Szenario 2: Enttäuschende Quartalszahlen. Rheinmetall hat die Erwartungen der Analysten zuletzt meist erfüllt oder übertroffen. Wenn das einmal nicht klappt — wenn Lieferketten ins Stocken geraten, Margen unter Druck kommen oder Aufträge sich verzögern — kann die Aktie bei dieser Bewertung schnell 10 bis 15 Prozent an einem einzigen Tag verlieren.
Szenario 3: Allgemeine Marktkorrektur. Wenn der DAX oder die globalen Märkte in einen Bärenmarkt rutschen, zieht das auch Qualitätsaktien mit. Rheinmetall hat ein relativ hohes Beta — die Aktie bewegt sich stärker als der Gesamtmarkt. In einem breiten Abverkauf wäre ein Rücksetzer von 30 bis 40 Prozent möglich, selbst wenn sich an den fundamentalen Perspektiven des Unternehmens nichts ändert.
Szenario 4: Politische Kurswende in Deutschland oder Europa. Rüstungsausgaben sind politisch. Wenn Regierungen — aus welchen Gründen auch immer — ihre Budgetzusagen zurücknehmen oder strecken, trifft das direkt die Auftragslage von Rheinmetall. Das ist kein wahrscheinliches Szenario aktuell, aber es existiert.

Fairerweise: Rheinmetall ist nicht nur ein Spekulationsobjekt. Das Unternehmen hat reale, langfristige Aufträge, starke Wachstumszahlen und eine Marktposition in Europa, die so schnell kein Wettbewerber einnimmt.
Der Auftragsbestand von Rheinmetall ist auf historischen Höchstständen. Mehrjährige Rüstungsverträge mit der Bundeswehr und NATO-Partnern sorgen für Planungssicherheit. Das ist kein ephemeres Wachstum — das sind gebuchte Umsätze für die nächsten Jahre.
Das deutsche Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr ist erst zu einem Bruchteil abgerufen. Die europäischen Verteidigungsbudgets steigen strukturell, nicht nur konjunkturell. Dieses Rückenwind-Szenario ist echte Substanz — kein Hype.
Zudem: Institutionelle Investoren weltweit, die Rüstungsaktien lange gemieden haben, bauen ihre Positionen auf. Das schafft eine fundamentale Nachfrage nach der Aktie, die kurzfristige Korrekturen abfedert. Bei 400 Euro würde Rheinmetall vermutlich massiv Käufer anziehen — das macht dieses Niveau zu einer echten Unterstützung, nicht nur zu einer charttechnischen Linie.
Lass uns konkret werden. Hier sind drei Szenarien mit realistischen Kurszielen nach unten:
Kurz gesagt: 20 bis 30 Prozent weiteres Abwärtspotenzial ist realistisch. 50 Prozent vom Hoch ist möglich, aber kein Basisszenario. Alles darunter braucht eine fundamental andere Weltlage.

Keine Anlageberatung — aber ein paar nüchterne Überlegungen, die jeder selbst anstellen kann.
Wer Rheinmetall bereits im Depot hat und eine große Buchgewinnposition sitzt, sollte sich fragen: Wie groß ist meine Risikobereitschaft, wenn der Kurs auf 400 Euro oder tiefer fällt? Wer das nicht aushält, ist gut beraten, Gewinne zumindest teilweise zu sichern. Das ist keine Feigheit — das ist vernünftiges Risikomanagement.
Wer neu einsteigen will, hat eine interessante Situation. Bei 400 Euro oder darunter wird Rheinmetall fundamental deutlich attraktiver. Wer nicht den perfekten Einstiegszeitpunkt erwischen will, kann über einen gestaffelten Einstieg nachdenken — zum Beispiel einen ersten Teilkauf jetzt, einen zweiten bei 420 Euro und einen dritten bei 350 Euro. Das lässt sich über Trade Republic oder Scalable Capital bequem umsetzen, ohne komplizierte Order-Typen.
Wer über comdirect oder eine andere Vollbank investiert, sollte Limit-Orders nutzen — gerade bei einer so volatilen Aktie wie Rheinmetall sind Marktorders gefährlich, weil die Spreads in unruhigen Marktphasen erheblich sein können.
Und wer generell nervös ist: Ein Blick auf die Positionsgröße hilft mehr als jede Analyse. Rheinmetall sollte in einem ausgewogenen Depot nicht mehr als 5 bis 8 Prozent ausmachen — egal wie überzeugend die Story ist. Konzentration und Überzeugung sind zwei verschiedene Dinge.
Rheinmetall ist kein schlechtes Unternehmen. Es ist ein sehr gut positioniertes Unternehmen mit einer ambitionierten Bewertung — und genau das macht es anfällig für Korrekturen, sobald die Realität die Erwartungen auch nur leicht verfehlt.
Die ehrliche Antwort auf die Frage, wie tief Rheinmetall noch fallen kann: Im realistischen Szenario bis 380 bis 420 Euro. Im negativen Szenario bis 320 Euro. Im Extrem-Szenario bis 200 Euro. Wer das einpreist, kann ruhiger schlafen — egal ob er gerade kauft, hält oder verkauft.
Die starke Rally der vergangenen Jahre war real und fundamental begründet. Aber Aktien, die so weit und so schnell steigen, korrigieren immer. Der Vergleich mit Wettbewerbern zeigt, dass die Bewertung noch nicht billig ist. Die eigene Historie zeigt, dass tiefere Rücksetzer normal sind.
Das bedeutet nicht, dass du Rheinmetall meiden solltest. Es bedeutet, dass du die Aktie mit offenen Augen kaufen und halten solltest — und dass ein guter Plan für das Szenario, das die Aktie weiter fallen lässt, keine Panik-Reaktion ist, sondern schlicht vorausschauendes Handeln.
Prüfdatum: 6. Juli 2026
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