
Zinsen, Öl, Inflation: Diese 3 Aktien sind defensiver aufgestellt
Öl bei fast 100 Dollar, hohe Zinsen, steigende Kosten: Welche 3 Aktien sind jetzt defensiver aufgestellt? Coca-Cola, Procter & Gamble und Mastercard im Check.
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Vor wenigen Monaten war die Stimmung noch mies. Softwarewerte galten als überbewertet, Wachstum entpuppte sich als Illusion und dann kam der Schock: Entlassungen, Gewinnwarnungen, brutale Kurseinbrüche. Und jetzt? Anleger drehen plötzlich wieder bullish und der Sektor läuft als wäre nichts gewesen.
Das klingt nach typischer Börsenrationalität: rein, raus, rein. Aber diesmal steckt mehr dahinter. Wer nur auf die Kursverläufe schaut, versteht die halbe Geschichte nicht. Die andere Hälfte heißt KI, und sie verändert gerade das Geschäftsmodell ganzer Softwarekonzerne von Grund auf.

Kurz: ja. Zwischen Anfang 2022 und Herbst 2023 verloren viele Softwarewerte zwischen 40 und 70 Prozent ihres Börsenwertes. Das war kein normaler Rücksetzer. Das war ein struktureller Repricing-Prozess, bei dem der Markt jahrelang aufgebaute Bewertungsblasen abgebaut hat. Kurs-Umsatz-Verhältnisse von 20, 30, manchmal sogar 50 waren schlicht nicht vertretbar, als die Zinsen stiegen.
Viele Anleger, die 2020 oder 2021 eingestiegen waren, saßen jahrelang auf tiefroten Depots. Software als Sektor galt als Auslaufmodell der Nullzinsära. Der Begriff „SaaS-Blase“ machte die Runde, und ehrlich gesagt war er nicht falsch. Aber Schock und Realität sind zwei verschiedene Dinge.
Denn selbst in dieser Phase haben Unternehmen wie Microsoft, Salesforce oder SAP weiter Umsatz gemacht, weiter Kunden gewonnen, weiter Cashflows generiert. Die Bewertung war das Problem, nicht das Geschäft. Und genau das macht das Comeback so interessant: Der Sektor erholt sich auf einer solideren Basis als zuvor.
Fantasie ist an der Börse keine leere Phrase. Sie beschreibt zukünftige Gewinne, die noch nicht in den Zahlen auftauchen, aber vom Markt bereits eingepreist werden. Bei Softwarewerten und KI ist diese Fantasie diesmal ungewöhnlich konkret. Microsoft hat mit Copilot bereits ein Produkt im Markt das Kunden nachweislich mehr zahlen lässt.
Das Grundprinzip: Software, die durch KI deutlich nützlicher wird, kann teurer verkauft werden. Gleichzeitig sinken Supportkosten, weil KI viele Serviceanfragen automatisch bearbeitet. Unternehmen wie ServiceNow oder Workday berichten genau das in ihren Quartalsberichten: höhere Vertragswerte, bessere Margen, weniger Churn. Das ist keine Theorie mehr.
Überraschend stark läuft dabei der europäische Markt. SAP hat in den letzten vier Quartalen die Cloud-Umsätze jeweils zweistellig gesteigert, und der Aktienkurs spiegelt das wider: plus 60 Prozent über 12 Monate Stand Frühjahr 2026. Das hätten Anfang 2023 nur wenige unterschrieben.
Was KI bei Softwareunternehmen strukturell verändert: Die Kosten für neue Features sinken, weil Entwickler durch KI-Tools schneller arbeiten. Gleichzeitig steigt der wahrgenommene Wert für den Kunden. Das ist eine klassische Margenschere, nur diesmal dreht sie sich in die richtige Richtung.
Analystenstimmen sind kein Orakel. Aber sie bewegen Kurse, und das macht sie relevant für jeden, der ein Depot hat. Aktuell überbieten sich Analysehäuser mit Kurserhöhungen bei Softwarewerten. Goldman Sachs hat sein Kursziel für Microsoft auf 520 US-Dollar angehoben. JPMorgan sieht SAP bei 260 Euro. Jefferies hat gleich eine ganze Liste europäischer Softwarewerte hochgestuft.
Was steckt hinter diesen Einschätzungen? Vor allem eine Neubewertung der KI-Monetarisierung. Lange war unklar, ob Unternehmen für KI-Features wirklich mehr zahlen würden. Diese Frage beantwortet sich jetzt im laufenden Betrieb: Viele tun es. Copilot-Lizenzen bei Microsoft kosten 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat extra, und die Adoptionsraten steigen schneller als erwartet.
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Bernstein Research warnt, dass ein Teil der Rallye spekulativ bleibt und die tatsächlichen KI-Erlöse noch weit hinter den eingepreisten Erwartungen liegen. Das ist kein unwichtiger Punkt. Wer allein auf Analystenstimmen hört, kauft oft zu teuer.
Ehrlich gesagt solltest du Analystenurteile als ein Puzzleteil behandeln, nicht als den ganzen Rahmen. Sie liefern dir Kontext und Vergleichspunkte, aber keine Gewissheit.
Nicht jedes Softwareunternehmen zieht gleich stark. Es gibt klare Gewinner und einige, die eher mitlaufen, ohne wirklich von KI zu profitieren. Die Aufteilung ist grob so: Wer KI in den Kernprodukten verankern kann, gewinnt. Wer KI nur als Marketing nutzt, stagniert.
Microsoft bleibt das Parade-Beispiel. Azure wächst durch KI-Workloads, Copilot wird von Millionen Nutzern eingesetzt, und die Office-Suite läuft stabiler als je zuvor. Für europäische Anleger ist SAP die interessanteste Wette: Das Unternehmen transformiert sich gerade von Legacy-ERP zu KI-gestützter Unternehmenssteuerung, und die Zahlen belegen, dass es funktioniert.
Weniger eindeutig ist die Lage bei kleineren SaaS-Unternehmen. Viele haben zwar KI-Features angekündigt, können aber noch keine Monetarisierung vorweisen. Hier ist Vorsicht angebracht. Ein gutes Zeichen ist immer, wenn ein Unternehmen konkret berichtet, wie viele Kunden für KI-Erweiterungen zahlen. Alles andere ist erstmal Ankündigung.
| Unternehmen | KI-Produkt | Kursentwicklung 12M (2025/26) | KGV 2026e | Analystenkonsens |
|---|---|---|---|---|
| Microsoft | Copilot / Azure AI | +38 % | 32 | Kaufen |
| SAP | Joule (KI-Assistent) | +61 % | 45 | Kaufen |
| Salesforce | Einstein AI | +22 % | 28 | Halten |
| Workday | AI-HR-Suite | +19 % | 35 | Kaufen |
| Palantir | AIP (AI Platform) | +95 % | 120 | Gespalten |
Palantir zeigt dabei das Extrembeispiel: plus 95 Prozent in zwölf Monaten ist eine Hausnummer. Aber ein KGV von 120 lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen. Wer hier einsteigt, kauft viel Erwartung und wenig Sicherheitsmarge.
Direkt in Einzelwerte investieren ist eine Möglichkeit. Über Broker wie Trade Republic, Scalable Capital oder comdirect lassen sich Microsoft, SAP oder Salesforce ohne Ausgabeaufschlag kaufen. Bei Trade Republic kostet jede Order pauschal 1 Euro, bei Scalable Capital ist der Kauf über Sparpläne sogar kostenlos.
Wer Einzelwerte zu riskant findet, greift zu ETFs. Der iShares S&P 500 Information Technology ETF bildet US-Softwarewerte breit ab, der Xtrackers MSCI World Information Technology ETF deckt auch europäische Titel wie SAP ab. Beide laufen auf Scalable Capital und Trade Republic als Sparplan ohne Transaktionskosten.
Ein thematischer ETF, der speziell auf KI-Software setzt, ist der WisdomTree Artificial Intelligence ETF. Aber Vorsicht: Die Kostenquote liegt bei 0,40 Prozent jährlich, und die Zusammensetzung ist sehr US-lastig. Das ist kein Problem, solange du das weißt.
Was du nicht tun solltest: Jetzt hektisch alles in Software umschichten, weil die Kurse schon gut gelaufen sind. Wer SAP bei 200 Euro gekauft hat, sitzt auf schönen Gewinnen. Wer jetzt bei 290 Euro einsteigt, kauft nach einer starken Rallye. Das kann weiterlaufen, muss es aber nicht. Ein gestaffelter Einstieg über mehrere Monate reduziert das Timing-Risiko erheblich.
Diese Frage lässt sich ehrlich nicht mit Sicherheit beantworten, aber ein paar Indikatoren helfen. Erstens: Die Bewertungen sind gestiegen, aber sie haben noch nicht das Niveau von 2021 erreicht. Microsoft handelt bei einem KGV von 32, damals waren es zeitweise über 40. Das ist teuer, aber nicht irrational teuer.
Zweitens: Die Umsätze wachsen diesmal wirklich. Das war 2021 bei vielen kleineren SaaS-Werten nicht der Fall. Damals wurde Wachstum auf Kosten von Profitabilität erkauft, und die Bewertungen ignorierten das. Heute verlangen Anleger profitables Wachstum, und Unternehmen liefern es.
Drittens: Die Zinsen sind 2025/26 zwar gesunken, aber nicht auf Nullniveau. Das begrenzt, wie weit Bewertungsmultiples wieder steigen können. Der Markt bewertet Softwarewerte heute rationaler als 2021 was paradoxerweise eine bessere Ausgangsbasis für weiteres Wachstum schafft.
Das Risiko bleibt: Wenn die KI-Monetarisierung langsamer läuft als erhofft, wenn ein großer Anbieter mit einem kostenlosen KI-Tool den Markt umwirft oder wenn die Konjunktur einbricht und Unternehmen Software-Budgets kürzen. Das sind reale Szenarien. Die Rallye hat Substanz, aber sie ist kein Selbstläufer.
Wenn du bisher kaum Technologie im Depot hast, ist ein Aufbau über einen ETF-Sparplan die einfachste und risikoärmste Methode. 50 oder 100 Euro monatlich in einen IT-ETF sind kein Hexenwerk und lassen sich bei Trade Republic oder Scalable Capital in zehn Minuten einrichten.
Wenn du bereits Positionen in Softwarewerten hast und gut im Plus bist: Gewinne mitzunehmen ist kein Fehler. Ein Teil-Verkauf, um den Anteil im Depot auf einem vertretbaren Niveau zu halten, ist vernünftig. Dass eine Aktie stark gestiegen ist, ist kein Grund, sie zu halten oder nachzukaufen.
Wer gezielt auf das KI-Comeback setzen will, sollte zwischen drei Typen unterscheiden: Plattformunternehmen wie Microsoft oder SAP mit breiter KI-Integration, spezialisierte Anbieter wie Palantir mit hohem Risiko und hoher Chance, und Infrastrukturwerte wie ASML oder TSMC, die indirekt vom Softwarewachstum profitieren.
Ein ausgewogenes Bild: Softwarewerte gehören ins Depot eines langfristig denkenden Anlegers. Nicht alles, aber ein solider Anteil von 15 bis 25 Prozent macht Sinn. Mehr als das und du sitzt auf einem hochvolatilen Block, der bei jedem Zinsschock zittert.
Das Comeback der Softwarewerte ist kein Strohfeuer. KI verändert Geschäftsmodelle real, Unternehmen monetarisieren das zunehmend, und Analystenstimmen unterstützen den Trend mit konkreten Kurszielen. Der Software-Schock ist vorbei zumindest vorerst.
Anleger, die jetzt drehen und plötzlich wieder bullish werden, haben gute Gründe dafür. Aber sie kommen nach einer starken Rallye. Das bedeutet: Die Chancen sind real, aber du kaufst keine Schnäppchen mehr. Ein disziplinierter, gestaffelter Einstieg schützt dich besser als blindes Nachkaufen auf Hochständen.
Kurz gesagt: Softwarewerte gehören ins Depot. KI gibt dem Sektor einen echten strukturellen Rückenwind. Aber kaufe mit Kopf, nicht mit Euphorie.
Die Bewertungen sind gestiegen, aber noch weit von den Extremen aus 2021 entfernt. Solange KI-Monetarisierung weiter wächst, bleibt der Rückenwind real. Ein Einbruch ist möglich, wenn Konjunktur oder Zinsen negativ überraschen.
Microsoft und SAP sind die solidesten Einstiege, weil beide KI in laufende Produkte integrieren und bereits Umsatz damit machen. Alternativ deckt ein IT-ETF den Sektor breit und risikoärmer ab.
Ja, bei beiden Brokern gibt es gängige IT-ETFs als kostenlose Sparpläne. Einzelkäufe kosten bei Trade Republic pauschal 1 Euro, bei Scalable Capital ab 0,99 Euro.
Weil KI-Produkte wie Microsofts Copilot messbar höhere Umsätze pro Kunde erzeugen. Das rechtfertigt höhere Kursziele. Analysten reagieren auf Zahlen, und die Zahlen verbessern sich.
Das hängt von deiner Risikobereitschaft ab. Ein KGV von 120 lässt keinen Puffer für Enttäuschungen. Palantir ist ein Spekulation auf beschleunigtes Wachstum, kein Basisinvestment.

Prüfdatum: 3. Juli 2026
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