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Schlechte Aktienkurse kosten bald bis zu 50 Prozent Rente

9 Min. Lesezeit Leser

Redaktionelle Information, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Markt- und Konditionsangaben sind Momentaufnahmen; prüfe aktuelle Bedingungen vor einer Entscheidung direkt beim Anbieter.

Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Börsencrash kurz vor dem Ruhestand kostet bis zu 48 Prozent der Kapitalrente
  • 45 Jahre Einzahlen erhöhen das Crash-Risiko auf bis zu 69 Prozent Verlust
  • Mittlere Arbeitnehmer verlieren im Worst Case rund 170 Euro pro Monat Rente
  • Besserverdiener mit 100.000 Euro brutto trifft es mit bis zu 340 Euro pro Monat
  • Großer Dax-Crash mit über 40 Prozent Verlust tritt realistisch etwa alle zehn Jahre ein

Die Idee klingt erst mal clever. Die Bundesregierung will mit der Kapitalrente einen Teil deiner Rente über die Börse finanzieren. Das Problem: An der Börse gibt es keine Garantie. Wer kurz vor dem Ruhestand in einen Crash gerät, dem drohen massive Einbußen bei der späteren Rente. Im schlimmsten Fall kostet ein einziger Börsencrash fast die Hälfte deiner Kapitalrente, umgerechnet für Durchschnittsverdiener rund 170 Euro pro Monat. Für wen das existenzbedrohend ist, muss man nicht erklären.

Warum ein Börsencrash deine Rente halbieren kann

Schlechte Aktienkurse kosten bald bis zu 50 Prozent Rente

Die Kapitalrente soll Arbeitnehmer künftig an den Renditen des Kapitalmarkts beteiligen. Das klingt nach einer guten Idee, weil die gesetzliche Rente allein immer weniger reicht. Bei der Kapitalrente legt der Staat deine Beiträge an der Börse an. Damit trägst du allerdings auch das Risiko von Kursverlusten. Wenn die Börse kurz vor deinem Ruhestand einbricht, fehlt schlicht die Zeit, um die Verluste wieder auszugleichen.

Unsere Modellrechnung zeigt: Sinken die Kurse um die Hälfte, wenn du schon fast am Ziel bist, sind die Folgen enorm. Das ist nicht abstrakt, sondern konkretes Geld, das dir später fehlt. Für viele Arbeitnehmer wäre ein Verlust dieser Größenordnung ein echtes Problem, weil die gesetzliche Rente allein kaum reicht.

Die Auszahlung der Kapitalrente funktioniert wie ein Entnahmemodell. Der angesparte Kapitalstock wird über 25 Jahre gestreckt und monatlich ausgezahlt. Halbiert sich der Stock durch einen Crash, halbiert sich auch die monatliche Zusatzrente. Das ist die simple Mathematik dahinter.

Wie viel Kapitalrente steht überhaupt im Raum?

Bevor du die Crash-Folgen bewerten kannst, brauchst du eine Vorstellung von der Größenordnung. Die Kapitalrente startet 2028 mit Beiträgen von 0,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Erst ab 2031 sollen die vollen 2,0 Prozent gelten. Für einen Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen, etwa 50.000 Euro brutto pro Jahr, sind das monatlich rund 83 Euro, die in den individuellen Rententopf fließen. Die Zahlungen teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber dabei zur Hälfte.

Über 45 Arbeitsjahre sammelt sich da ein ordentlicher Stock an. Das Geld legt der Staat an der Börse an und rechnet nach Abzug von Inflation und Kosten mit einer Nettorendite von 3,5 Prozent pro Jahr. Das ist konservativ angesetzt, wenn du bedenkst, dass der Dax historisch im Schnitt deutlich höhere Renditen erzielt hat. Aus unserer Modellrechnung ergibt sich ein Kapitalstock von rund 107.000 Euro, der dann als monatliche Zusatzrente ausgezahlt wird. Über 25 Jahre gestreckt wären das rund 358 Euro pro Monat zusätzlich zur normalen gesetzlichen Rente.

Wer jetzt aufmerksam mitgerechnet hat, sieht: Ein Verlust von 45 bis 48 Prozent kurz vor dem Ruhestand bedeutet für diesen Modell-Arbeitnehmer rund 170 Euro weniger pro Monat. Bei einem Besserverdiener mit 100.000 Euro brutto jährlich kann der Verlust sogar bis zu 340 Euro pro Monat ausmachen. Das ist dann nicht mehr nur ein ärgerlicher Einschnitt, sondern eine echte Lücke im Ruhestand.

Faktor Wirkung auf die Kapitalrente bei einem Crash
Bruttoeinkommen Höhere Einzahlungen führen zu höheren Ansprüchen und damit zu höheren absoluten Verlusten bei einem Crash.
Alter Längere Einzahldauer erhöht das Risiko, einen Crash im Verlauf zu erwischen, von 5 bis 69 Prozent.
Crash-Zeitpunkt Crash früh in der Anlagephase: 5 bis 9 Prozent Verlust. Crash kurz vor dem Ruhestand: 45 bis 48 Prozent Verlust.

Was die drei Einflussfaktoren konkret bedeuten

Der Verlust durch einen Crash hängt von drei Variablen ab. Die erste ist dein Bruttoeinkommen. Da die Kapitalrente schrittweise auf zwei Prozent steigen soll, zahlen Besserverdiener mehr ein. Sie erwerben entsprechend höhere Ansprüche. Ein Crash trifft sie deshalb in absoluten Zahlen härter, wie unser Beispiel mit 100.000 Euro brutto zeigt.

Der zweite Faktor ist dein Alter. Jüngere Arbeitnehmer werden vor dem Ruhestand noch Jahrzehnte einzahlen. Ältere nutzen die Kapitalrente nur noch wenige Jahre. Der Unterschied ist gewaltig. Wer 45 Jahre lang einzahlt, kann zwischen 5 und 69 Prozent mehr Geld verlieren als jemand, der nur noch fünf Jahre einzahlt. Das klingt erst mal überraschend, ergibt aber Sinn: Wer länger investiert ist, hat statistisch auch mehr Chancen, einen großen Crash zu erwischen.

Der dritte Faktor ist der Zeitpunkt des Crashs. Sinkt die Börse im ersten Jahr der Einzahlung um 50 Prozent, sind die Folgen fast zu vernachlässigen. Danach bleiben im günstigsten Fall 44 Jahre, um die Verluste zu minimieren. Brechen die Kurse aber nur wenige Monate vor dem Ruhestand ein, sind die Folgen enorm. Hier entscheidet sich, ob du 5 bis 9 Prozent Verlust hast oder ob dir bis zu 48 Prozent deiner Kapitalrente verloren gehen.

Warum der Zeitpunkt so entscheidend ist

Der Zeitpunkt ist nicht ein Faktor unter vielen, sondern der entscheidende Hebel. Ein Crash nach 10 Prozent deiner Anlagedauer kostet dich zwischen 5 und 9 Prozent der späteren Rente. Ein Crash nach 90 Prozent der Anlagezeit verringert die Zahlungen aus der Kapitalrente um 45 bis 48 Prozent. Die Spanne ist riesig.

Das hat zwei Gründe. Erstens: Ein Crash verkleinert den Kapitalstock direkt. Je kleiner der Stock, desto geringer die Auszahlung pro Monat. Zweitens: Wer früh im Leben einen Crash erlebt, hat Zeit, sich zu erholen. Wer spät einen Crash erlebt, hat diese Zeit nicht mehr. Bei einem Crash ein Jahr vor dem Ruhestand sind plötzlich rund 50.000 Euro weg, weil der angehäufte Stock dann nicht mehr wachsen, sondern nur noch ausgezahlt werden kann.

Die Mechanik ist dabei einfach: Halbiert sich nach einem Jahr ein Vermögen von 1000 Euro, liegt der absolute Verlust bei gerade einmal 500 Euro. Das ist angesichts später möglicher 107.000 Euro fast nichts. Crasht die Börse aber kurz vor dem Ruhestand, geht es plötzlich um fünfstellige Beträge, die dir für den Rest des Lebens fehlen.

Wie wahrscheinlich sind solche Crashes wirklich?

Von einem Crash spricht man an der Börse oft schon, wenn ein breiter Aktienindex vom vorherigen Höchststand um mindestens 20 Prozent fällt, und das in kurzer Zeit. Nach dieser Definition hat der deutsche Leitindex Dax allein in diesem Jahrtausend sechs Crashes erlebt. Der letzte entstand 2022 durch den Ukraine-Krieg und die Energiekrise.

Größere Crashes wie in unserem Modell sind seltener. Trotzdem gab es ihrer schon drei in diesem Jahrtausend. Die geplatzte Dotcom-Blase war von 2000 bis 2003 mit einem Rückgang des Dax um 73 Prozent die größte. Es folgten die Finanzkrise von 2007 bis 2009 mit 55 Prozent Kursrückgang und die Corona-Krise 2020 mit 39 Prozent. Dass ein großer Crash mit rund 40 Prozent oder mehr Einbußen etwa alle zehn Jahre eintritt, ist demnach realistisch.

Langsfristige Renditeannahmen berücksichtigen solche Einbrüche bereits. Der Dax ist seit seiner Gründung 1987 pro Jahr im Schnitt um rund zehn Prozent angestiegen. Die Krisenjahre wurden dabei stets durch bessere Jahre ausgeglichen. Über Jahrzehnte gesehen gleichen sich gute und schlechte Jahre also wieder aus. Zum Problem werden die Kursrückgänge nur, wenn sie zu Zeitpunkten auftreten, in denen keine Erholung mehr möglich ist.

Warum die Kapitalrente das Crash-Risiko verschärft

Schlechte Aktienkurse kosten bald bis zu 50 Prozent Rente — Konzept

Als Privatanleger hast du normalerweise selbst die Wahl, ob du Geld an der Börse anlegen willst. Du kannst dann auch selbst entscheiden, ob du das Risiko eines Crashs kurz vor dem Ruhestand eingehen willst. Bei der Kapitalrente geht das nicht. Hier investiert der Staat für dich, und die Einzahlung ist verpflichtend. Damit bist du den Kursbewegungen der Börse ausgeliefert, ohne dass du etwas dagegen tun kannst.

Genau hier liegt die Brisanz. Die Kapitalrente ist keine freiwillige Beimischung zu deinem Portfolio, sondern ein Pflichtbestandteil deiner Altersvorsorge. Du kannst den Zeitpunkt deines Crashs nicht steuern, und du kannst dein Geld nicht in einen sicheren Hafen umschichten, wenn die Börse kurz vor deinem Ruhestand wackelt. Die Renditechance gehört dir, das Risiko aber auch.

Das bedeutet nicht, dass die Kapitalrente eine schlechte Idee ist. Langfristig können die Renditen die gesetzliche Rente aufstocken. Aber das System funktioniert nur, wenn die großen Crashes dich nicht genau dann treffen, wenn du auf das Geld angewiesen bist. Und genau das kann passieren.

Was du aus den Modellrechnungen mitnehmen solltest

Die zentrale Erkenntnis ist einfach: Die Kapitalrente kann deine Rente deutlich aufstocken, wenn alles gut läuft. Sie kann deine Rente aber auch deutlich schmälern, wenn ein großer Crash zum falschen Zeitpunkt kommt. Ob du persönlich netto gewinnst oder verlierst, hängt weniger von deinem Geschick ab als vom Glück des Timings.

Das ist kein Grund, das Konzept pauschal zu verteufeln. Es ist aber ein Grund, es nicht als risikolose Ergänzung zur gesetzlichen Rente zu verkaufen. Wer in den nächsten Jahrzehnten in Rente geht, sollte einkalkulieren, dass die Kapitalrente schwanken kann. Sie ist eine Wettermischung aus Chancen und Risiken.

Kurz gesagt: Augen auf bei der eigenen Altersvorsorge. Rechne konservativ, plane Puffermonate ein und vertraue nicht darauf, dass Crashs schon dich nicht treffen werden. Die historischen Daten zeigen, dass sie das durchaus können.

Fazit

Die Kapitalrente ist ein solider Baustein für die Altersvorsorge, aber sie ist kein Selbstläufer. Börsencrashes gehören zum Alltag an den Märkten, und ein einziger großer Einbruch kurz vor dem Ruhestand kann bis zu fast 48 Prozent deiner Zusatzrente kosten. Für Durchschnittsverdiener sind das rund 170 Euro im Monat, für Besserverdiener bis zu 340 Euro. Die Kombination aus Einzahldauer, Einkommen und vor allem dem Zeitpunkt eines Crashs entscheidet, wie viel von deinem späteren Geld tatsächlich ankommt. Wer für seinen Ruhestand plant, sollte diese Mechanik verstehen und seine Erwartungen an die Kapitalrente entsprechend anpassen.

  • Crash nach 10 Prozent der Anlagedauer: 5 bis 9 Prozent Verlust
  • Crash nach 90 Prozent der Anlagedauer: 45 bis 48 Prozent Verlust
  • 45 Jahre Einzahlen erhöht das Verlustrisiko um bis zu 69 Prozent

Häufige Fragen

Was genau ist die Kapitalrente?

Die Kapitalrente ist ein geplanter Baustein der gesetzlichen Rente. Sie soll ab 2028 schrittweise eingeführt werden und erreicht ab 2031 zwei Prozent des Bruttoeinkommens. Das Geld wird vom Staat an der Börse angelegt und später als monatliche Zusatzrente ausgezahlt.

Wie viel Rente bekomme ich aus der Kapitalrente?

In unserem Modell mit mittlerem Einkommen und 45 Jahren Einzahlzeit sammelt sich rund 107.000 Euro an. Über 25 Jahre ausgezahlt ergibt das etwa 358 Euro pro Monat zusätzlich zur gesetzlichen Rente.

Wie oft gibt es große Börsencrashes?

In diesem Jahrtausend gab es im Dax drei schwere Einbrüche mit mehr als 39 Prozent Verlust. Ein großer Crash mit rund 40 Prozent oder mehr tritt demnach etwa alle zehn Jahre ein.

Was passiert bei einem Crash kurz vor der Rente?

Wenn die Börse kurz vor deinem Ruhestand einbricht, fehlt die Zeit, um Verluste wieder auszugleichen. In unserem Modell kann die Kapitalrente dann um 45 bis 48 Prozent sinken.

Kann ich mich gegen das Risiko schützen?

Als Privatperson hast du bei der Kapitalrente keinen Einfluss auf die Anlagestrategie des Staates. Anders als bei einer privaten Altersvorsorge kannst du das Geld nicht selbst in sichere Anlagen umschichten.

Quelle: Schlechte Aktienkurse kosten bald bis zu 50 Prozent Rente (www.focus.de)

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Quellen & Prüfdatum

Prüfdatum: 4. August 2026

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