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Banken nutzen Ihr Festgeld für Kredite und schlagen EZB-Zins

9 Min. Lesezeit Leser

Redaktionelle Information, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Markt- und Konditionsangaben sind Momentaufnahmen; prüfe aktuelle Bedingungen vor einer Entscheidung direkt beim Anbieter.

Das Wichtigste in Kürze
  • Nur 17 Prozent aller Banken haben Tagesgeldzinsen seit Juni erhöht
  • Tagesgeld bringt im Schnitt nur 1,38 Prozent, Festgeld dagegen 2,35 Prozent
  • Festgeldzinsen liegen in allen Laufzeiten über dem EZB-Einlagesatz von 2,25 Prozent
  • Sparkassen zahlen mit 0,41 Prozent am wenigsten aufs Tagesgeld
  • Banken finanzieren mit Spareinlagen ihr Kreditgeschäft und werben um Kunden

Warum dein Tagesgeld noch nicht von der EZB-Erhöhung profitiert

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Foto: Sasun Bughdaryan via Unsplash

Die Europäische Zentralbank hat im Juni die Leitzinsen erhöht, doch bei den meisten deutschen Banken merkst du davon bislang wenig. Nur jede sechste Bank hat ihre Tagesgeldzinsen seitdem tatsächlich angehoben. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox.

Konkret heißt das: Von 823 untersuchten Banken und Sparkassen haben gerade einmal 138 ihre Konditionen für Tagesgeld seit der EZB-Sitzung am 11. Juni nach oben geschraubt. Im Schnitt gab es ein Plus von 0,18 Prozentpunkten. Der Rest der Geldhäuser lässt seine Kunden schlicht leer ausgehen.

Diese Zurückhaltung hat einen einfachen Grund, den Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier so erklärt: „Anders als beim Festgeld gelten Zinserhöhungen beim Tagesgeld nicht nur für künftiges Geschäft, sondern auch für alle Gelder, die bereits bei den Kreditinstituten angelegt sind.“ Jede Erhöhung kostet die Banken also sofort bei sämtlichen Bestandskunden Geld. Entsprechend zögerlich reagieren viele Institute.

Was die Auswertung von Verivox genau zeigt

Verivox hat für die Analyse die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Grundlage war eine Anlagesumme von 10.000 Euro, berücksichtigt wurden nur die frei im Internet zugänglichen Konditionen. Bei den Tagesgeldzinsen flossen ausschließlich Bestandskundenkonditionen in den Durchschnitt ein, befristete Neukundenangebote blieben außen vor.

Das Ergebnis fällt für Sparer eher nüchtern aus. Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote bringen aktuell im Schnitt 1,38 Prozent. Vor der letzten EZB-Sitzung lagen sie bei 1,33 Prozent, ein Plus von gerade einmal 0,05 Prozentpunkten. Damit hat sich der durchschnittliche Tagesgeldzins in den Wochen nach der Zinserhöhung kaum bewegt.

Noch schlechter sieht es bei den regionalen Instituten aus. Sparkassen zahlen im Schnitt nur 0,41 Prozent aufs Tagesgeld, Volks- und Raiffeisenbanken 0,47 Prozent. Beide Gruppen haben ihre Zinsen seit Juni lediglich um 0,03 Prozentpunkte angehoben. Damit zahlen überregionale Banken im Schnitt etwa dreimal so viel wie die Sparkasse oder Volksbank vor Ort.

Wo die Banken ihr Geld tatsächlich verdienen

Die Zurückhaltung beim Tagesgeld hat Methode. Tagesgeld ist für Banken ein dauerhaftes Versprechen: Jede Zinserhöhung schlägt sofort auf das gesamte Bestandsgeld durch. Festgeld funktioniert komplett anders. Dort gilt ein Zinssatz immer nur für die vereinbarte Laufzeit. Wenn die Bank ihre Festgeldkonditionen anhebt, kostet sie das nur Neukunden, die jetzt neu abschließen.

Genau deshalb zeigen die Festgeldzinsen ein ganz anderes Bild. „Die Geldhäuser nutzen Spargelder zur Finanzierung ihres Kreditgeschäfts“, erklärt Maier. „Wenn sie sich das Geld dafür am Kapitalmarkt besorgen, sind ihre Zinskosten derzeit ebenfalls sehr hoch. Spareinlagen sind für Banken also nach wie vor lukrativ. Entsprechend groß ist der Wettbewerb, und das sorgt für attraktive Konditionen.“

Mit anderen Worten: Banken nutzen dein Festgeld direkt als Grundlage für ihre Kredite an Unternehmen, Immobilienkäufer und Verbraucher. Sie nehmen dein Geld zu einem festen Zinssatz herein und verleihen es zu einem höheren Zinssatz weiter. Die Zinsdifferenz ist ihre Marge. Solange diese Differenz attraktiv bleibt, zahlen sie dir auch hohe Festgeldzinsen.

Festgeld liegt in allen Laufzeiten über dem EZB-Einlagesatz

Die Zahlen aus der Verivox-Analyse belegen, wie ernst die Banken das Festgeld nehmen. Einjähriges Festgeld brachte Anfang März, zu Kriegsbeginn, im Schnitt glatt 2 Prozent. Aktuell sind es 2,35 Prozent. Bei zweijähriger Laufzeit ging es von 2,07 auf 2,44 Prozent nach oben. Am stärksten legte das zehnjährige Festgeld zu, von 2,51 auf inzwischen 2,9 Prozent.

Damit liegen die Festgeldzinsen in allen Laufzeiten über dem aktuellen EZB-Einlagezins von 2,25 Prozent. Die Banken zahlen ihren Kunden also im Schnitt mehr, als sie selbst bekommen, wenn sie das Geld bei der EZB parken würden. Diese Konstellation gab es zuletzt direkt nach dem Ende der Nullzinsphase in der zweiten Jahreshälfte 2022.

„Durch den Irankrieg sind die Preise für Energie und zahlreiche andere Güter deutlich gestiegen“, so Maier. „Darum war es nur eine Frage der Zeit, bis die Währungshüter zur Eindämmung der Inflation die Leitzinsen anheben. Das haben die Banken in ihren Festgeldkonditionen bereits mit einigem Vorlauf eingepreist.“ Die meisten Institute rechnen zudem im Laufe des Jahres mit mindestens einer weiteren Leitzinserhöhung und haben das bereits in ihre Festgeldzinsen eingepreist.

Lockangebote vernebeln den echten Vergleich

Wer aufmerksam die Werbung verfolgt, sieht Tagesgeldangebote mit bis zu 4 Prozent Zinsen. Das klingt im ersten Moment hervorragend, hat aber einen Haken. Diese hohen Sätze gelten fast ausschließlich für Neukunden und meist nur für wenige Monate. Danach rutschen die Konditionen auf das normale, deutlich niedrigere Niveau.

Wer dauerhaft von Top-Zinsen profitieren will, muss also regelmäßig die Bank wechseln und immer wieder ein neues Tagesgeldkonto eröffnen. Das ist nicht nur nervig, sondern kostet auch Zeit und manchmal Schufa-Abfragen. Für Anleger, die einen stabilen Bestandskundenzins suchen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Standardkonditionen.

Der höchste Bestandskundenzins bei deutschen Banken liegt nach der Verivox-Auswertung derzeit bei 2,5 Prozent. Bei Banken mit Sitz im europäischen Ausland sind es bis zu 2,6 Prozent. Diese Werte sind deutlich attraktiver als der Durchschnitt und kommen eher an die Festgeldkonditionen heran.

Warum die regionalen Banken so weit abgeschlagen sind

Besonders auffällig ist der Rückstand der Sparkassen und Volksbanken. Mit 0,41 Prozent beziehungsweise 0,47 Prozent liegen die regionalen Institute deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 1,38 Prozent. Seit Juni haben beide Gruppen ihre Zinsen nur um 0,03 Prozentpunkte erhöht, also praktisch gar nicht nachvollzogen.

Das hat mehrere strukturelle Gründe. Regionale Banken refinanzieren sich traditionell stärker über Spareinlagen vor Ort als über den Kapitalmarkt. Sie haben dadurch weniger Druck, hohe Zinsen zu zahlen, um neue Kunden anzulocken. Gleichzeitig haben sie oft einen treuen Kundenstamm, der das Geld mangels Alternative bei der Hausbank lässt.

Überregionale Banken, Direktbanken und Neobroker stehen dagegen in einem härteren Wettbewerb. Sie müssen aktiv um Kunden werben, oft online und bundesweit. Das treibt die Zinsen, die sie bieten können, nach oben. Verivox ordnet regional tätige Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die ihre Produkte deutschlandweit anbieten, ohnehin den überregionalen Banken zu.

Was du aus der Verivox-Analyse mitnehmen solltest

Die wichtigste Erkenntnis ist einfach: Wer sein Geld einfach auf dem Tagesgeldkonto der Hausbank liegen lässt, verschenkt bares Geld. Die Differenz zwischen 0,41 Prozent bei der Sparkasse und 2,5 Prozent bei der besten Bestandskundenbank ist enorm und summiert sich über die Jahre.

Festgeld ist aktuell die disziplinierte Wahl. Die Zinsen liegen klar über dem EZB-Niveau, du weißt von Anfang an, was du bekommst, und die Banken haben die künftigen Zinserhöhungen bereits eingepreist. Allerdings bindest du dein Geld für die gewählte Laufzeit und kannst vorzeitig nicht ohne Verlust darüber verfügen.

Wer flexibel bleiben will, kann Tagesgeld als Basis nutzen, sollte aber regelmäßig prüfen, ob der eigene Zinssatz noch konkurrenzfähig ist. Bei größeren Summen kann eine Kombination aus Tagesgeld für die Reserve und Festgeld für den Rest sinnvoll sein.

So sieht die Praxis im Vergleich aus

Um die Unterschiede greifbar zu machen, hier ein qualitativer Überblick über die Hauptkategorien:

Kategorie Typischer Anbieter Zinsniveau Für wen geeignet
Tagesgeld (Durchschnitt) Bundesweit verfügbare Banken Mittel Sparer mit Standardkonditionen
Tagesgeld (regional) Sparkassen, Volksbanken Niedrig Stammkunden der Hausbank
Tagesgeld (Top) Bestandskundenangebote Hoch Vergleichsorientierte Sparer
Festgeld Alle Banken Über EZB-Niveau Anleger mit Planungshorizont

Die Spalte „Zinsniveau“ ist hier qualitativ zu verstehen, weil konkrete Prozente je nach Anbieter stark variieren. Die Verivox-Auswertung zeigt aber eindeutig, dass Festgeld in allen Laufzeiten über dem EZB-Einlagesatz liegt und Tagesgeld im Durchschnitt klar darunter.

Was die EZB-Entscheidung für dein Festgeld bedeutet

Wenn die EZB die Leitzinsen erhöht, passiert am Festgeldmarkt in der Regel Folgendes: Die Banken passieren ihre höheren Refinanzierungskosten nicht automatisch eins zu eins an die Sparer weiter. Stattdessen kalkulieren sie strategisch. Sie wissen, dass eine weitere Zinserhöhung wahrscheinlich ist, und bieten daher schon jetzt Zinsen an, die diese Erwartung widerspiegeln.

Für dich als Sparer heißt das: Festgeld, das du jetzt abschließt, bringt dir auch dann noch den vereinbarten Zins, wenn die Marktzinsen weiter steigen. Damit sicherst du dir aktuell ein attraktives Niveau, bevor die nächste EZB-Runde kommt. Allerdings profitierst du auch nicht mehr, falls die Zinsen überraschend fallen sollten.

Bei der jüngsten EZB-Sitzung am 11. Juni haben die Währungshüter die Zinsen erhöht. Viele Banken hatten das aber, so Maier, in ihren Festgeldkonditionen bereits mit einigem Vorlauf eingepreist. Das erklärt, warum die Festgeldzinsen schon vor der Entscheidung deutlich angezogen hatten und jetzt über dem EZB-Niveau liegen.

Dein nächster Schritt als Sparer

Wenn du bisher vor allem auf das Tagesgeld deiner Hausbank setzt, lohnt sich ein konkreter Vergleich. Schau dir die Bestandskundenzinsen an, nicht nur die Lockangebote für Neukunden. Die Differenz zwischen 0,41 Prozent bei manchen Sparkassen und 2,5 Prozent bei den besten Banken ist ein echtes Renditeplus ohne jedes zusätzliche Risiko.

Bei Festgeld solltest du auf die Laufzeit achten. Längere Laufzeiten werfen aktuell mehr ab, kosten dich aber auch mehr Flexibilität. Eine gestaffelte Strategie mit verschiedenen Laufzeiten kann sinnvoll sein, um das Risiko zu streuen, falls die Zinsentwicklung anders kommt als erwartet.

Letztlich gilt: Die Banken nutzen dein Festgeld, um Kredite zu finanzieren, und sie schlagen dabei sogar den EZB-Zins. Das ist eine starke Position für dich als Sparer. Wer sich jetzt die besten Konditionen sichert, holt deutlich mehr aus seinem Ersparten heraus, ohne dafür höhere Risiken einzugehen.

Fazit: Festgeld nutzen, Tagesgeld checken

Die Verivox-Auswertung malt ein klares Bild. Nur jede sechste Bank gibt die jüngste EZB-Erhöhung an Tagesgeld-Sparer weiter, im Schnitt stiegen die Zinsen gerade einmal um 0,05 Prozentpunkte auf 1,38 Prozent. Regionale Institute wie Sparkassen und Volksbanken liegen mit 0,41 beziehungsweise 0,47 Prozent noch deutlich dahinter.

Beim Festgeld sieht die Sache komplett anders aus. Hier liegen die durchschnittlichen Zinsen in allen Laufzeiten über dem EZB-Einlagesatz von 2,25 Prozent, angefangen bei 2,35 Prozent für ein Jahr bis 2,9 Prozent für zehn Jahre. Der Grund ist einfach: Banken nutzen dein Festgeld, um damit Kredite zu finanzieren, und der Wettbewerb um dein Geld sorgt für attraktive Konditionen.

Wenn du handelst, kannst du davon profitieren. Vergleiche die Bestandskundenzinsen beim Tagesgeld, sichere dir beim Festgeld attraktive Laufzeiten und behalte die EZB-Termine im Blick. Die nächste Zinserhöhung ist nach Meinung der meisten Institute bereits in den aktuellen Festgeldkonditionen eingepreist, ein guter Zeitpunkt also, um sich zu positionieren.

Häufige Fragen

Warum geben Banken die EZB-Zinserhöhung nicht an Tagesgeld-Sparer weiter?

Anders als beim Festgeld gilt eine Tagesgeld-Zinserhöhung sofort für alle Bestandskunden. Das kostet die Banken sofort viel Geld, deshalb reagieren viele Institute sehr zurückhaltend.

Wie viel Prozent bekomme ich aktuell im Durchschnitt aufs Tagesgeld?

Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote bringen laut Verivox im Schnitt 1,38 Prozent, Sparkassen nur 0,41 Prozent und Volks- sowie Raiffeisenbanken 0,47 Prozent.

Wie viel Zinsen bekomme ich aktuell aufs Festgeld?

Einjähriges Festgeld bringt im Schnitt 2,35 Prozent, zweijähriges 2,44 Prozent und zehnjähriges 2,9 Prozent, jeweils deutlich über dem EZB-Einlagesatz von 2,25 Prozent.

Sollte ich jetzt Festgeld abschließen oder warten?

Die Banken rechnen mit weiteren EZB-Erhöhungen und haben diese bereits eingepreist. Wer jetzt abschließt, sichert sich das aktuell hohe Niveau, riskiert aber bei sinkenden Zinsen eine geringere Rendite als möglich.

Welche Banken bieten die besten Bestandskundenzinsen beim Tagesgeld?

Der höchste Bestandskundenzins bei deutschen Banken liegt laut Verivox bei 2,5 Prozent, bei Banken mit Sitz im europäischen Ausland sogar bei bis zu 2,6 Prozent.

Quelle: Banken nutzen Ihr Festgeld für Kredite – und schlagen EZB-Zins (www.focus.de)

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Quellen & Prüfdatum

Prüfdatum: 31. Juli 2026

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